Besuch der Holocaust-Zeitzeugin Henriette Kretz

Am Montag, den 04.05.2026 besuchte Henriette Kretz, eine 91-Jährige, die als Grundschulkind den Schrecken des Holocaust überlebte, unsere Schule.
Vor 50 Schülerinnen und Schülern der Stufen 10, EF und Q1sowie einigen Kolleginnen und Kollegen berichtete sie von den Schrecken, die sie als Tochter eines Arztes und einer Juristin in Lemberg (heute Ukraine) und Umgebung erlebt hat.
Unter ständiger Lebensgefahr zog sie mit ihren Eltern ständig um. Lebte sie nach den ersten Vertreibungen noch bei Verwandten, so mussten sie später in Kellern oder auf dem Dachboden versteckt überleben, immer auch von Hunger und Kälte oder Hitze gequält und der ständigen Angst, entdeckt zu werden. Auch im Waisenhaus, im Ghetto und im Gefängnis lebt Henriette. Als sie dann, auf einem Dachboden versteckt, verraten werden und ein weiteres Mal abgeführt werden, widersetzt sich der Vater und möchte nicht mehr mitkommen. Zuvor hat er alles Geld, was die Familie noch hatte, in Henriettes Manteltasche gesteckt und die Tochter instruiert, dies gut zu verwahren. Auf der Straße angekommen wirft er sich auf den Soldaten und ruft seiner Tochter zu: Lauf! Henriette hört einen Schuss, den Schrei der Mutter, noch einen Schuss und versteht dann, dass sie soeben Waise geworden ist. Sie läuft um ihr Leben, kann sich verstecken und wird von den Schwestern des Waisenhauses aufgenommen, wo sie die nächsten Jahre lebt. Aus ihrer Familie überlebte neben ihr nur ein Verwandter, der sie gemeinsam mit seiner Frau adoptiert. Henriette Kretz arbeitete als Französischlehrerin und lebt mit ihrer Familie in Antwerpen.
Die Geschichte von Henriette Kretz ergreift die jungen Zuhörerinnen und es lässt sich kaum verstehen, dass ein Mensch solche Qualen überhaupt ertragen kann und dennoch nicht verbittert ist, sondern auf Menschen zugeht und ihnen ihre Geschichte erzählt, damit niemand mehr solche Qualen erleiden muss.
Nach ihrem Vortrag beantwortete Frau Kretz geduldig die Fragen der Schülerinnen und Schüler. Wir sind uns alle einig, dass wir sehr viel gelernt haben durch ihren Vortrag, aber vor allem auch voller Dankbarkeit, dass wir eine solch herzliche Persönlichkeit kennenlernen durften, die an ihrer schrecklichen Geschichte nicht zerbrochen ist und ohne Hass auf Menschen zugeht, um uns wach zu machen für Entwicklungen in unserer Gesellschaft, die Hass auf Andersdenkende, Menschen anderer Herkunft oder Religion aussäht.
Wir wünschen Frau Kretz, dass sie gesund bleibt und noch vielen Schülerinnen und Schülern ihre Geschichte erzählen kann.
Ihre Geschichte nachlesen kann man in einem Buch:
Henriette Kretz, Willst du meine Mutter sein? Hille-Verlag 2013
- im Buchhandel oder beim Hille Verlag erhältlich
- als Kindle E-Book erhältlich auf Amazon
- als kostenloser PDF-Download bei der Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen: https://www.slpb.de/buch/willst-du-meine-mutter-sein-kindheit-im-schatten-der-schoah
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